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Geschichte Marburgs

Von der ersten Erwähnung 1138/39 über die heilige Elisabeth, die Landgrafen von Hessen, die erste protestantische Universität und das Marburger Religionsgespräch 1529 bis zu Emil von Behring und der Stadt von heute.

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Kaum eine deutsche Stadt zeigt ihre Vergangenheit so offen wie Marburg: das Schloss der Landgrafen auf dem Berg, darunter die Wallfahrtskirche der heiligen Elisabeth und dazwischen eine Oberstadt, deren gotischer Charakter auch deshalb erhalten blieb, weil die Stadt jahrhundertelang vernachlässigt wurde.

Anfänge

Ein Fachwerkhaus von 1321 in der Oberstadt
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Eine kleine Burg der Gisonen aus dem 9. oder 10. Jahrhundert schützte die Siedlung und ihre Zollstelle an der Lahn. Um 1140 ging der Besitz der Gisonen an die Landgrafen von Thüringen über.

  1. 1138/39Erste urkundliche Erwähnung Marburgs.
  2. Um 1140Münzen belegen, dass Marburg bereits als Stadt gilt.
  3. 1222Eine Bürgerschaft der Stadt wird genannt, Marburg besitzt Stadtrechte; die Pfarrkirche St. Marien wird erstmals erwähnt.

Die heilige Elisabeth

Der Lettner der Elisabethkirche
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Elisabeth von Thüringen, die junge Witwe des Thüringer Landgrafen, wählte Marburg als Witwensitz und widmete sich den Kranken. Ihr Grab machte die Stadt zu einem der großen Wallfahrtsorte des Mittelalters.

  1. 1228Elisabeth lässt sich in Marburg nieder und gründet ein Hospital.
  2. 1231Sie stirbt in Marburg mit 24 Jahren.
  3. 1235Sie wird heiliggesprochen; im selben Jahr beginnt der Deutsche Orden über ihrem Grab die Elisabethkirche, eine der ersten rein gotischen Kirchen Deutschlands.
  4. 1270Der Deutsche Orden weiht die kleine Pilger- und Friedhofskapelle St. Michael, das „Michelchen“.

Die Landgrafen von Hessen

Der gotische Fürstensaal im Landgrafenschloss
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Elisabeths Tochter Sophie von Brabant erkämpfte die neue Landgrafschaft Hessen für ihren Sohn Heinrich. Das Schloss über Marburg wurde die erste Residenz der Landgrafen, und bis etwa 1540 war Marburg neben Kassel eine der Hauptstädte Hessens.

  1. Um 1250Südlich von Marburg entsteht für Sophie von Brabant die Burg Frauenberg.
  2. 1264Sophie sichert ihrem Sohn Heinrich die Landgrafschaft Hessen.
  3. 1303Die Dominikaner weihen ihre Kirche auf dem Lahnfels, die heutige Universitätskirche.
  4. 1473St. Marien erhält ihren hölzernen Turmhelm, der sich heute sichtbar neigt.
  5. 1485–1500Marburg ist Hauptstadt von Hessen-Marburg.

Rathaus, Universität und Reformation

Das spätgotische Rathaus am Marktplatz
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Unter Landgraf Philipp I. wurde Marburg ein Zentrum der Reformation. Er gründete hier die erste protestantische Universität und holte 1529 Martin Luther und Huldrych Zwingli auf sein Schloss, um ihre Lehren vom Abendmahl zu versöhnen.

  1. 1512–1527Am Marktplatz entsteht das spätgotische Rathaus aus Sandstein.
  2. 1527Philipp I. gründet die Philipps-Universität, heute die älteste noch bestehende protestantische Universität der Welt.
  3. 1529Im Schloss findet das Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli statt.
  4. 1567–1605Marburg ist erneut Hauptstadt von Hessen-Marburg.
  5. 1581Das Rathaus erhält seine Renaissance-Giebeluhr mit Justitia, Tod und kupfernem Hahn.
  6. 1596Für den Landgrafen von Hessen-Marburg wird am Pilgerweg bei Marburg das Brunnenhaus des Elisabethbrunnens errichtet.

Provinzstadt und Romantik

Nach 1605 war Marburg eine Provinzstadt, vor allem durch ihre Universität bekannt. Um 1800 gewann sie mit den Romantikern neue kulturelle Bedeutung: Der Jurist Friedrich Carl von Savigny, die Brüder Grimm und die Arnims sind mit der Stadt verbunden.

  1. 1605Marburg wird Provinzstadt.
  2. 1618–1648Im Dreißigjährigen Krieg kämpfen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel um die Stadt; das hessische Umland verliert mehr als zwei Drittel seiner Bevölkerung.
  3. 18. JahrhundertVernachlässigt bleibt die gotische Stadt weitgehend unverändert.
  4. 1802–1803Erst Jacob, dann Wilhelm Grimm kommen zum Jurastudium bei Savigny.
  5. 1810Im Stadtzentrum wird der Alte Botanische Garten angelegt.

Die preußische Zeit und das frühe 20. Jahrhundert

Das Kunstmuseum, eröffnet zum 400-jährigen Universitätsjubiläum
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Als Preußen 1866 das Kurfürstentum Hessen annektierte, begann Marburgs Aufstieg zur Verwaltungs- und Universitätsstadt. Ihr berühmtester Bürger dieser Zeit war Emil von Behring, der erste Träger des Nobelpreises für Medizin, der in Marburg die Behringwerke gründete.

  1. 1866Nach dem Deutschen Krieg annektiert Preußen das Kurfürstentum Hessen.
  2. 1873–1891Auf dem Gelände des Dominikanerklosters entsteht die neugotische Alte Universität.
  3. 1890Auf den Lahnbergen wird der Spiegelslustturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) eingeweiht.
  4. 1901Emil von Behring erhält den ersten Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
  5. 1927Die Universität feiert ihr 400-jähriges Bestehen; Kunstmuseum und Religionskundliche Sammlung öffnen.
  6. 17. Juni 1934Vizekanzler Franz von Papen hält an der Universität eine regimekritische Rede.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Marburg wurde 13-mal bombardiert, vor allem von den United States Army Air Forces; die schwersten Schäden gab es im Norden und an den Rangiergleisen, die Innenstadt blieb weitgehend verschont.

  1. 1942–1945Die Stadt wird zur Lazarettstadt; im Frühjahr 1945 liegen hier über 20.000 Patienten, meist verwundete Soldaten.
  2. Mai 1945Die „Monuments Men“ richten im Staatsarchiv einen Central Collecting Point für Raubkunst ein; er schließt nach über einem Jahr.
  3. August 1946Der Sarkophag Paul von Hindenburgs wird in die Elisabethkirche überführt.
  4. 1961Städtepartnerschaft mit Poitiers in Frankreich.

Marburg heute

Fachwerkhäuser in der Oberstadt
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Heute ist Marburg eine Universitätsstadt mit 73.544 Einwohnern (31. Dezember 2024) im Landkreis Marburg-Biedenkopf, mit sieben Partnerstädten von Poitiers bis Moshi in Tansania.

  1. 1967Hier wird das Marburg-Virus identifiziert, nachdem sich Labormitarbeiter der Behringwerke infiziert hatten; es trägt den Namen der Stadt.
  2. Ab 1972Die behutsame Sanierung der Oberstadt beginnt; sie wurde seither vielfach ausgezeichnet.
  3. 1977Auf den Lahnbergen öffnet der Neue Botanische Garten.
  4. 1992Städtepartnerschaft mit Northampton.
  5. 2023Moshi in Tansania wird Marburgs siebte Partnerstadt.
  6. 2024/25Die Philipps-Universität zählt 21.162 Studierende.

Quellen: Wikipedia (Marburg, en) · Wikipedia (Marburg) · Wikipedia (Elisabethkirche) · Wikipedia (Landgrafenschloss, en) · Wikipedia (Rathaus) · Wikipedia (Universität Marburg, en) · Wikipedia (Marburg-Virus, en) · marburg.de (Partnerstädte). Geprüft am 9. Oktober 2026.